Wach bleiben! Was Unternehmen nicht verschlafen sollten

Wusstest du, dass Menschen früher zweimal pro Nacht geschlafen haben? Erst ein paar Stunden, dann eine wache Zeit – zum Reden, Denken oder einfach Stillsein – und danach der zweite Schlaf. Heute heißt das „Schlafstörung“ und man bekommt was dagegen.

In unseren Firmen ist es ähnlich: Wir behandeln Symptome statt Ursachen und vergessen auf die alten Hausmittel. Vielleicht sind ja nicht die Zahlen, der Markt oder die Umstände das größte Problem – sondern dass wir nicht mehr richtig „miteinander können“?

Eine Frau schläft auf einem Berg aus Kaffeebohnen – ein Bild für müde Routinen und das Risiko, im Arbeitsalltag das Wesentliche zu verschlafen: Beziehung, Menschlichkeit und echte Verbindung.Schlafende Frau auf Kaffeebohnen – Sinnbild dafür, was wir im Businessalltag nicht verschlafen dürfen: das Miteinander.

Mehr Kaffee hilft nicht, wenn wir das Wesentliche verschlafen.

„So haben wir das schon immer gemacht“

Ein Satz, der sicher klingt, aber selten stimmt. Durchschlafen, durcharbeiten, durchhalten – lauter moderne Erfindungen, keine Naturgesetze. Erst seit der Industrialisierung ist das unser „Normal“: essen nach der Uhr, schlafen nach Kalender und leben nach Plan.

Was beim Schlaf angefangen hat, zieht sich heute überall durch. Wir ignorieren unsere Natur und feiern das Leisten. Führungskräfte reden über Performance und Resilienz, während der eigentlichen Ressource – dem Menschen – langsam, aber sicher die Augen zufallen.

Vergessen, wie man Mensch ist

Wir wissen viel mehr als früher – und tun trotzdem oft das Falsche. Wir „biohacken“ uns selbst, ohne zu verstehen, wie wir überhaupt ticken. Wir reden mit Geräten statt mit Gesichtern, zählen Schritte, Klicks und Termine, aber keine echten Begegnungen mehr. Wir optimieren alles, außer das, was uns menschlich macht. Und nennen das Fortschritt.

Dabei braucht unser Nervensystem Wellen, Pausen, Zyklen – und Verbindung. Nähe und Kooperation waren immer unser Erfolgsrezept. „Survival of the fittest“ heißt nämlich nicht, dass nur die Stärksten überleben, sondern die, die gut miteinander auskommen.

Ob privat oder im Business: Wir sind keine Einzelkämpfer. Wir sind Beziehungswesen. Haben wir das vergessen? Offenbar schon.

Kaufmannschaft und was sie (nicht) schafft

Ich hab in letzter Zeit mit drei Geschäftsführern gesprochen – vom Haushaltsartikel bis zum Luxussegment. Alle drei sagen dasselbe:

„Die Leute wissen nicht mehr, wie man auf andere Menschen zugeht.“

Im Vertrieb! Dort, wo das quasi die Grundausstattung sein sollte.

Auch Verkaufsleiter wünschen sich wieder Trainings für die Basics: Wie man jemanden anspricht. Wie man zuhört. Wie man Kunden dient. Wie man Gastgeber ist, Haltung zeigt und echtes Interesse. Dinge, die früher selbstverständlich waren – und heute „Soft Skills“ heißen.
Ganz ehrlich? Ich glaub manchmal, ich bin im falschen Film.

Beziehung ist das Immunsystem jedes Unternehmens

Den Erfahrenen hört keiner mehr zu – wenn sie überhaupt noch im Unternehmen sind. Alt gilt als altmodisch, und neu ist automatisch digital. Das Internet bringt Klicks, aber keine Kundenbegeisterung. Die Umsätze steigen, die Gewinne oft nicht. Überall Rabatte, aber kein Wertbewusstsein. Und der Selbstwert? Geht Richtung Keller.

Firmen funktionieren wie Menschen: Ohne Beziehung und Vertrauen kein Erfolg, keine Kreativität, keine Stabilität. Wir sind ständig „connected“, aber selten verbunden – oft nicht einmal mit uns selbst. Virtuelle Meetings simulieren Nähe, schaffen sie aber nicht. Likes sind halt keine Beziehungen. Und Follower kein Ergebnis.

Zurück auf Werkseinstellung

Ich habe mit einem Führungsteam gearbeitet, das jede Woche perfekt organisierte Calls hatte. Aber null Verbindung zueinander. Also: raus aus den Büros, rein in einen einfachen Raum. Kein Beamer, keine Mails nebenbei – nur Menschen, ein Tisch und Zeit. Nach zehn Minuten wurde wieder gelacht, gedacht – und gestritten. Miteinander. Menschlich. Mehr braucht’s nicht.

Warum Konflikt zur Kooperation dazugehört und wie man ihn auflöst, kannst du hier nachlesen: Es gehört einfach mehr geschmust!

Online kann vieles, aber echte Begegnung ersetzt es nicht. Führung und Zusammenarbeit leben von Beziehung – und die gibt's halt nur live und „in echt“.

Alte Werte in neuen Zeiten

Ich will nicht die „gute alte Zeit“ heraufbeschwören, versteh mich nicht falsch. Neue Arbeitsformen, KI, Transformation – alles super. Aber allein schaffen wir’s trotzdem nicht. Menschen brauchen Menschen. Immer schon. Unser Gehirn reagiert auf Nähe mit denselben Botenstoffen wie auf Erfolg, nur nachhaltiger. 

Altes Wissen zu nutzen ist also kein Rückschritt, sondern eine Rückverbindung. So wie eine Pause kein Stillstand ist, sie gehört zur Leistung dazu. Rituale, Natur, echte Begegnungen – das sind keine Extrawürstel. Das ist unser Betriebssystem.

Wissen ist gut. Erinnern ist besser.

Was, wenn Fortschritt nicht das ständige Weiter ist? Sondern das bewusste Zurück – zu dem, was funktioniert hat, bevor wir es verlernt haben? Nicht wie man’s „immer schon gemacht hat“, mehr so, wie es eigentlich für uns gedacht war. Zur Grundlage allen Wirtschaftens: Menschen.

Unsere Zukunft – und die unserer Unternehmen – hängt nicht vom nächsten Update ab. Sie hängt davon ab, dass wir uns erinnern, worauf es ankommt. Fast alles lässt sich digitalisieren, nur nicht, was Erfolg trägt: der Zugang zueinander.

"Das beste Geschäftsmodell bleibt Beziehungspflege."

Wachstum beginnt mit Wachsein. Wenn wir das verschlafen, läuft das System einfach weiter. Aber ohne uns.

Darum geht’s auch im neuen Buch „Beziehung macht Business“, an dem ich gerade mit meiner Frau arbeite. Es zeigt, was Unternehmen wirklich stark macht: Beziehungen. Nicht als Kuschelfaktor, als Wirtschaftskraft. Bleib wach – es erscheint im Juni 2026 im Wiley-Verlag.