Niemand will Erfolg

Nichts ist schwieriger, als im Leben Erfolg zu haben. Geld verdienen, Karriere machen, Anerkennung bekommen, Ziele erreichen ... Wann sind wir erfolgreich? Was verstehen wir überhaupt darunter? Ich habe schon so ziemlich alle Antworten gehört, die es auf diese Frage nur geben kann – vom Porsche vor der Tür über Einflussmöglichkeiten bis dahin, möglichst viel Freizeit zu haben.

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Und ich habe dem Thema auch ein Buch gewidmet. Die Sache ist nur: Niemand will Erfolg. Das klingt erst einmal paradox. Ich hole ein bisschen aus: Unser Leben ist weitgehend auf Erwerbsarbeit ausgerichtet. Schon kleine Kinder sind, kaum dass sie sprechen können, mit der Frage konfrontiert: „Was möchtest du werden, wenn du einmal groß bist?“ Das suggeriert, dass nichts ist, was erst noch werden muss; und dass nichts werden kann, was keine gängige (Berufs-)Bezeichnung hat. So ist das Wort Erfolg in den Köpfen der meisten Menschen von klein auf mit beruflichen Errungenschaften und finanziellem Wohlstand verbunden.

Von nichts kommt nichts

Dass Erfolg etwas mit empfundener Freude und persönlicher Erfüllung zu tun haben könnte, auf die Idee kommen nicht so viele. Es wurde uns ja vermittelt, dass „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ kommt, und dass wir uns alles von Süßigkeiten über Schulnoten bis zum Traumjob schwer verdienen müssen. „Von nichts kommt schließlich nichts.“ Deshalb betrachten wir Arbeit selten als Möglichkeit zur Entfaltung, sondern eher als notwendiges Übel. Wehe dem, der sie mit Spaß in Verbindung bringt. Das ist Unfug, aber gewiss kein Faktor für Erfolg.

In der allgemeinen Wahrnehmung gibt es sehr viel mehr erfolglose Menschen als erfolgreiche. Während erstere schuften, haben letztere mutmaßlich ein krummes Ding gedreht, geerbt oder ganz einfach nur Glück gehabt. Denn: „Vom Arbeiten wird man nicht reich.“ Die Mehrheit sieht sich also als Opfer eines unfairen Systems, einer korrupten Elite oder der Umstände. Und sie steckt andere an mit ihrer faulen Einstellung, nach der es gar nicht möglich ist, selbst zu Erfolg zu kommen.

Alte Muster durchbrechen

Dabei ist das Potenzial dazu ist in jedem von uns angelegt. Wir müssen ihm nur folgen. Aber halt, das ginge ja zu leicht! Wo kämen wir denn da hin? Das könnte ja jeder. JA! Das kann auch jeder. Aber niemand will es – niemand will es wahrhaben. Weil die meisten Menschen nicht daran glauben, dass sie es selbst schaffen können. Sie sind klein gehalten worden, ihr Selbstwert ist gering. Ihnen fehlen das Selbstbewusstsein und die Kraft, die alten Denkmuster zu durchbrechen.

 „Nein, das geht sowieso nicht!“, „Wie soll ich das schaffen?“, „Das ist unrealistisch“ – das sind alles Glaubenssätze, die die Menschen hindern, erfolgreich zu werden. Weil sie nur den Druck erhöhen, etwas zu erreichen, das gemeinhin als Erfolg gilt. Darum versuchen sie es gar nicht erst. Sie vergessen dabei, was sie ursprünglich antreibt. Was ihre innere Sehnsucht war, einer bestimmten Tätigkeit nachzugehen zum Beispiel.

Und dann ist da auch noch die Angst, dass es doch klappen kann. Was ist, wenn wir erfolgreich sind? Wie wird es dann weitergehen? Wie reagiert unser Umfeld darauf? Wenden sich manche vielleicht von uns ab, weil sie neidisch sind oder uns etwas unterstellen? Solche Gedanken halten manche auch vom eigenen Erfolg ab.

Erfolg ist Abfall

Wenn du mich fragst, gehen wir die Sache mit dem Erfolg komplett verkehrt an. Ich sage nicht, dass man sich nicht anstrengen sollte für etwas. Nach Jahren strenger sportlicher Disziplin weiß ich gut, wovon ich rede. Aber wir brauchen eine andere Haltung zum Erfolg. Wie wäre es, wenn du dich darauf einstellst, dass Erfolg leicht gehen darf? Dass du deine Tage nicht an deiner Zähigkeit, sondern am Grad deiner Freude messen kannst?

Erfolg ist die natürliche Folge. Alles, was du dann erreichst, ist ein Erfolg, weil etwas er-folgt. Ganz unabhängig davon, was genau dabei herauskommt und was andere davon halten. Erfolg ist nämlich Abfall. Er fällt ab, wenn du davon überzeugt bist, dass du zu etwas im Stande bist. Und dass dein Potenzial einen gewaltigen Wert hat für dich, für etwas oder für jemanden.